GLAM. Fulterer Scherrer

 

 

20. Juni - 3. August 2023 

 

Glam wird als besonders wahrgenommen. Warum empfinden wir das Ungewöhnliche, das Extravagante, die Zugabe nicht an sich schon als glamourös?

 

Subtile Anspielungen auf Fetisch, BDSM-Clubs und Queer-Kultur waren in den Arbeiten von Fulterer & Scherrer immer präsent. Indem sie mit der Abstraktion verschiedener Kinks und Turn-ons spielen, verwandeln sie kontinuierlich unterschiedliche Materialien und Materialkombinationen in ihr eigenes visuelles Alphabet. 

 

Die Titel und Elemente von GLAM sind irritierend: Die enganliegenden Spaghettiträger könnten, so wie der Name der Arbeit, die eines Tanktops sein oder an ein leichtes Kleid erinnern, das man neulich abends getragen hätte.

Es wäre aus Leder gefertigt, es wäre atemberaubend.

Oder handelt es sich bei der anderen Arbeit um Bondage-Utensilien, Riemen, Ketten oder einen geilen Lederstring?

 

Wäre das nicht der Wahnsinn?

Oder ist es der ikonische Ausschnitt dieses Designers - ich habe den Namen vergessen -? Oder diese Billig-Handtasche...?

 

Die Ausstellung stellt eine Verbindung her zwischen dem, was an den Rändern liegt,

sei es bewundert oder verabscheut, ob heimlicher Fetisch oder ein fabelhaftes Kleid;

ob öffentliches Bekenntnis der eigenen Wünsche abseits der Norm oder die glitzernde Manifestation einer Existenz jenseits des Alltags.

 

Wenn man an ihr öffentliches Auftreten denkt, haben Lederkluft und Abendkleid so viel gemeinsam, wie sie trennt, oder? Beide übersteigen das, was zu einem gewöhnlichen Leben gehört.

 

Aber genau das ist der Punkt: Was in diesem Leben als glamourös gilt, ist nichts Besonderes.

GLAM soll das Unerwartete sein, das Andersartige, das Außergewöhnliche.

Zitronengelb, Mint- und Pastelltöne mischen sich, das Partylicht ist an. Der Keilrahmen darunter schreit, dass alles nur Oberfläche sein soll. Aber in Mandarine oder Flieder getränkt, beweist er, wie tief diese Schicht reicht.

 

Ist es Malerei, Skulptur, nur ein Rahmen oder bloßer Fetisch. Könnte diese queere Ausstrahlung sogar glamourös sein?

 

Das Verbinden der Ränder mit einem Lederstreifen und einer filigranen Kette bewirkt etwas anderes, die Extreme von "High" und "Low" sanft zu verbinden – von Ausgrenzung ebenso zu sprechen wie von absoluter Verehrung und Besessenheit –, lässt so etwas wie zarten Glam entstehen.

 

Wenn Glam so besonders ist, sollte alles Außergewöhnliche Glam sein.

 

 

Text: Maximilian Lehner